Die Haselmaus – Wildtier des Jahres 2017

Mit dem Begriff »Wildtier« verbindet man meist eher exotische Tiere wie Löwe, Tiger oder Elefant. In unseren Breitengraden denkt man dabei vielleicht an Luchse oder Wölfe; an die Haselmaus wohl eher nicht. Umso bemerkenswerter, dass die Haselmaus von der Deutschen Wildtier Stiftung zum Wildtier des Jahres 2017 gewählt wurde. Exotisch und besonders ist die Haselmaus dabei allemal, schließlich ist das Tier, beispielsweise wissenschaftlich gesehen, gar keine Maus.

Die Haselmaus gehört zu den sogenannten Bilchen und diese stehen gewissermaßen zwischen Arten wie Eichhörnchen und Mäusen, zählen also zur Ordnung der Nagetiere. Zu den Bilchen zählen beispielsweise Siebenschläfer und eben die Haselmaus.

So irreführend zunächst die wissenschaftliche Namensgebung sein mag, der landläufige Name der Haselmaus leitet sich dagegen ganz einfach von einer ihrer wichtigsten Nahrungsquellen ab, nämlich der Nuss des Haselstrauchs.

Nüsse zählen vor allem im Herbst zum Nahrungsangebot der Haselmaus. Der hervorragende Kletterer ernährt sich nicht nur von Baumfrüchten, wie der namensgebenden Nuss und anderen Pflanzenteilen (Blättern, Knospen, Samen, Nektar oder Blütenpollen), sondern auch von Insekten. Das pflanzliche Nahrungsangebot kann die Haselmaus dabei nur in kleinen Mengen zu sich nehmen, da ihr, wie allen Bilchen, der verlängerte Blinddarm fehlt und so die Zelluloseverdauung erschwert ist.

Die Haselmaus findet man auch in Gegenden, in denen keine Haselnusssträucher vorkommen. Vor allem in Mischwäldern verteilt über Mittel- Nord- und Osteuropa gibt es Haselmäuse. Durch Zersiedelung und Umweltzerstörung sind sie dabei in Schweden, Dänemark, England und Deutschland seltener geworden; in der Schweiz ist die Haselmaus auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten aufgeführt.

Haselmäuse bauen kugelförmige Nester, die denen der Eichhörnchen ähneln und ebenfalls Kobel genannt werden. Das Haselmausweibchen kann ein- bis zweimal im Jahr Junge werfen, die nach einer Tragzeit von bis zu 24 Tagen im Nest geboren werden. Die jungen Haselmäuse werden von der Mutter etwa einen Monat lang gesäugt und verlassen nach etwa 40 Tagen den Kobel.

Haselmäuse werden oft mit der Zwergmaus oder anderen ähnlichen Nagern verwechselt. Haselmäuse besitzen allerdings keine Gesichtszeichnung, sondern ein orangebraunes Fell am gesamten Körper, das hellere Schattierungen an der Bauchseite aufweist und insgesamt gelbe oder auch goldfarbene Farbtöne haben kann. Von der Kehle bis über den Bauch haben Haselmäuse außerdem eine weiße Färbung. Haselmäuse können bis zu 40 Gramm schwer werden bei einer Körpergröße von bis zu 15 Zentimetern. Der meist etwas dunklere, ebenfalls in der Regel komplett behaarte, Schwanz umfasst dabei fast die Hälfte der Körperlänge.

Die Haselmaus ruht tagsüber und ist überwiegend nachts aktiv, wobei gerade in dieser Zeit auch ihre Fressfeinde, wie beispielsweise der Waldkauz, ebenfalls auf Futtersuche sind. Zudem hält die Haselmaus in der Regel von September bis in den April hinein Winterschlaf. Von Fressfeinden, wie dem Fuchs oder Wildschweinen, die Haselmäuse teils auch im Winterschlaf ausgraben, ist die Haselmaus jedoch weniger bedroht, als vom Verschwinden ihres Lebensraums.

Möglicherweise trägt die Wahl zum Wildtier 2017 dazu bei, der Haselmaus etwas mehr Aufmerksamkeit bezüglich ihrer Erhaltung und ihres Schutzes zu verschaffen. Die Haselmaus sollte schließlich vor allem in freier Natur anzutreffen zu sein, auch wenn es das Nagetier immerhin schon in die Literatur des 19. Jahrhundert geschafft hat. Lewis Carroll hat bei der Teegesellschaft und darüber hinaus in »Alice im Wunderland« neben einem verrückten Hutmacher auch einer Haselmaus eine wichtige Rolle verliehen.

Gerhard Huber

Gerhard Huber

Gerhard Huber, geboren 1971 in Straubing, entdeckte dank der schier unerschöpflichen Bücherkiste seiner Großmutter früh die Leidenschaft zur Literatur und zum Schreiben.
Der gelernte Versicherungskaufmann und studierte Religionswissenschaftler und Germanist lebt seit 2007 in Worms.
Gerhard Huber veröffentlichte als Autor Geschichten in Anthologien oder im Rahmen der PERRY RHODAN-Serie und ist im journalistischen Bereich als Online-Redakteur und Rezensent für das Internetportal »Menschen International« tätig, vorwiegend zu den Themen Reiseliteratur und »literarische Reise«.

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