Das 8 x 8 der Rückschlagspiele im Praxistest

Wir haben Ihnen bereits unser exklusives Sportspielset “ 8 x 8 der Rückschlagspiele“ vorgestellt.
Doch wie ist es um die Anwendbarkeit dieses Lehrmittels bestellt? Kann es z.B. auch für den Sportunterricht in der Grundschule genutzt werden? Profitieren sowohl Schüler als auch Lehrer davon?
Im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung wurde dies mittels eines Praxistests untersucht.

1. Ausgangssituation & Problematik

Kinder bewegen sich viel und gerne. Der Wunsch und Drang nach Bewegung will ausgelebt werden. Nicht selten stellt der Sportunterricht daher das beliebteste Unterrichtsfach unter den Schülern dar. Dabei genießen besonders die Sportspiele aufgrund ihrer starken medialen Präsenz ein hohes Ansehen.
Im Zuge einer veränderten Kindheit fehlen vielen Schülern jedoch immer häufiger grundsätzliche, motorische Vorrausetzungen. Hinzu kommt, dass sich der Sportunterricht häufig nur auf bestimmte Sportarten und die Vermittlung der konkreten Techniken konzentriert. Dabei wird jedoch nicht immer die Heterogenität der Schülerschaft berücksichtigt. Dies führt u.a. dazu, dass leistungsschwache Schüler wenige Erfolgserlebnisse verzeichnen. Dadurch entsteht kein Spielgenuss, und Sportspiele kommen so selten als Freizeitbeschäftigung bzw. als Hobby in Betracht. Besonders problematisch ist dies bei den Rückschlagspielen wie Badminton, Tennis, Tischtennis und Volleyball, welche allesamt im Schulsport zur Anwendung kommen.

2. Lösungsansatz

Eine mögliche Lösung für diese Problematik, Schülern unabhängig von ihrer sportlichen Kompetenz eine motivierende und aktive Teilnahme am Sportunterricht zu ermöglichen, ist das Konzept des „8 x 8 der Rückschlagspiele“ des Autors. Das 8 x 8 der Rückschlagspiele stellt die Gemeinsamkeiten der Rückschlagspiele heraus und bietet insgesamt 64 Übungen für den Erwerb von übrgreifenden Fähigkeiten. Damit kann das Fehlen elementarer Voraussetzungen ausgeglichen und die Fokussierung auf lediglich eine Sportart vermieden werden.

 

3. Das Interventionsprogramm

Mittels eines Interventionsprogramms wurde untersucht, inwiefern dies im Sportunterricht gelingen kann. Ein einfacher Ballkontrolltest im Tischtennis vor und nach der Intervention mit den „8 x 8 der Rückschlagspiele“ diente dazu, Ergebnisse zu erhalten und mögliche Fortschritte auf zeigen zu können. Inhalt des Tests ist das Balltippen auf den Schläger ohne Unterbrechung. Jede Berührung ergab einen Punkt. Jeder Schüler hatte drei Versuche, von denen nur der beste gewertet wurde. Das Balltippen erfolgte dabei stets mit der Vorhandseite.
Der Zeitraum des Interventionsprogramms betrug vier Wochen  bzw. neun Unterrichtsstunden. Insgesamt nahmen vierzig Kinder daran teil, aufgeteilt in eine Versuchs- und Kontrollgruppe. Um den Anspruch der Tauglichkeit für die Grundschule zu überprüfen, wurden dafür Schüler einer dritten Klasse als Teilnehmer ausgewählt.
Die Übungen im Rahmen des Interventionsprogramms setzten sich aus den Bausteinen des „8 x 8 der Rückschlagspiele“ zusammen. Pro Sportstunde wurde jeweils ein Baustein behandelt. Für die Kontrollgruppe fand in diesem Zeitraum ein allgemeiner Sportunterricht statt.

 

4. Ergebnisse

Nach Abschluss der Intervention wurde ein zweiter Ballkontrolltest als Nachtest mit beiden Schülergruppen durchgeführt und die Anzahl der Berührungen gemessen.
In der Versuchsklasse verbesserte sich die durchschnittliche Zahl deutlich von 14,8 auf 33,5 Berührungen. Mehr als die Hälfte der Schüler erzielte hierbei eine Verbesserung im zweistelligen Bereich, bei zwei Kindern kam es zu keiner Verbesserung.
In der Kontrollgruppe steigerten sich die Berührungen von 10,2 auf 14,6. Bei fünf Kindern der Kontrollgruppe kam es zu keinerlei Verbesserungen, bei zwei Kindern zeigte sich sogar eine negative Entwicklung und drei Kinder konnten sich im zweistelligen Bereich verbessern.
Ergänzend wurden im Vor- und Nachtest für die Versuchsgruppe Schulnoten vergeben. Im Vortest ergab sich hierbei ein Notendurchschnitt von 4,1. Von den 22 Schülern der Versuchsgruppe erzielten im Vortest siebzehn mangelhafte Ergebnisse, die restlichen fünf Schüler hingegen sehr gute Ergebnisse.
Im Nachtest wurde ein Notendurchschnitt von 2,4 erzielt. Der Prozentsatz der Kinder, deren Leistung „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bewertet wurde, reduziert sich dabei von 68% auf 9%.
Über die Verbesserungen im Ballkontrolltest hinaus, konnten während der Intervention weitere positive Eindrücke gesammelt werden. Die Versuchsklasse agiert über die gesamte Zeit mit hoher Leistung- und Anstrengungsbereitschaft. Hinzu kam Freude und Spaß beim Üben, bedingt durch den Aufbau des Konzepts und der Gestaltung der Übungsformen.

 

5. Fazit

Der Vortest bestätigte in gewissem Maße die Vermutung, dass immer weniger Schüler die elementaren Voraussetzungen für die Ausübung von Sportspielen besitzen. Für den Sportunterricht ergibt sich daraus eine problematische Situation. Dieser muss so gestaltet sein, dass es trotz großer Leistungsunterschiede möglich ist, Schüler individuell zu fördern und zu motivieren.
Das Konzept des „8 x 8 der Rückschlagspiele“ bietet eine Möglichkeit, Schüler adäquat nach ihrem sportlichen Ausgangsniveau zu fördern.
Für Lehrpersonen ergeben sich ebenfalls Vorteile, insbesondere bei Planung und Vorbereitung des Sportunterrichts. Die Auseinandersetzung mit den Konzept des „8 x 8 der Rückschlagspiele“ und dessen Durchführung kann daher als gewinnbringend eingeschätzt werden. Des Weiteren ist es im Sinne einer sportspielübergreifenden Fertigkeitsentwicklung im Grundschulbereich zielführend einsetzbar, wie die Ergebnisse des Interventionsprogramms gezeigt haben.

Dr. Andreas Günther

Dr. Andreas Günther

leitet den Arbeitsbereich Sport im Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik der Martin- Luther- Universität Halle (Saale).

Nach seinem Studium des Lehramtes für Sport und Geschichte arbeitete er 20 Jahre als Lehrer an verschiedenen Schulformen und als Fachseminarleiter Sport in der zweiten Ausbildungsphase.

Schwerpunkte seiner praxisnahen Forschungstätigkeit sind das Fitnesstraining von Kindern und Jugendlichen und neue didaktische Überlegungen zur mehrperspektivischen Umsetzung der Bewegungsfelder „Spielen“, „Bewegen an Geräten“ und „Ringen, Raufen und Kämpfen“.

Den zahlreichen Publikationen, wie z.B. „Kämpfen und Kampfspiele“, „Streetworkout für die Sporthalle“ und „Rückschlagspiele“ (alle 2016 erschienen im Persen- Verlag) können Lehrkräfte und Übungsleiter Anregungen für ihre Tätigkeit und Unterrichtsmaterialien (Arbeitskarten) entnehmen. Ferner ergänzen die von ihm entwickelten Lehr- und Lernmittel wie das Würfelspiel „Fritz Fit- ärgere dich nicht“ und „Das 8x8 der Rückschlagspiele“ (erhältlich bei Wiemann Lehrmittel) die sportpädagogische Arbeit.
Dr. Andreas Günther

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